Kunst !?

Was ist Kunst? Da fragte ich Goethe. Der wusste es, hat es aber zu umständlich ausgedrückt, so dass ich es nicht erklären kann.
(Schülerin, 12 Jahre)

Der künstlerische Prozess ist … die Befreiung des Gegenstands aus dem Automatismus der Wahrnehmung.
(Breton)

“Nur weil ich eine kranke Frau und drei Kinder habe, muß ich das spielen…”.
(ein Konzertmusiker nach einer Prokofjew-Sinfonie)

Kunst steht über jeder Realität. Sie hat keine unmittelbare Beziehung zur Wirklichkeit. Daher darf sie auch nicht an der Erfahrungswirklichkeit gemessen oder gar dieser nachgeordnet werden.
(Mondrian)

Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.
(Arno Schmidt)

Kunst ist eine subversive Bewegung gegen die Gesellschaft.
(Marcuse)

Kunst?… die Wirkung von Kunst ist nicht quantitativ evaluierbar. Von daher… Kunst entfällt völlig.
(Dekan des Fachbereichs Sozialwesen der FH in B.)

Kunst braucht nur Material. Freiheit braucht sie nicht. Sie ist Freiheit.
(Böll)

Für uns ist die visuelle Kultur wichtig, nicht die Geschwätzigkeit.
(Hrdlicka)

Ohne Klavier können sie nicht Klavier spielen. Oder wenn sie nur eine Geige haben und damit Klavier spielen wollen, das geht halt auch nicht.
(Thomas Bernhard)

Politiker sehen sich in diesem Land als Mäzene, die sich herabneigen und der Kultur etwas spenden aus dem Steuersäckel- niemals würden wir das vom Verteidigungsminister sagen… Deutschlands Freiheit wird in Wahrheit nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in den Theatern, Konzertsälen, Opernhäusern, Museen und Buchläden und natürlich in den Schulen.
(ehem. Kulturstaatsminister Michael Naumann)

Schönheit ist die Verweigerung von Gewohnheit.
(Helmut Lachenmann, Komponist)

Kunst ist nicht zuerst ideologisch und ein Träger von Klasseninteressen, sondern Kunst ist zuerst autonom.
(Marcuse)

Kunst ist das, was im toten Winkel der Frage nach der Kunst liegt.
(Böll)

Kunst ist die Hervorbringung von Freiheit, d. h. durch eine Willkür, die ihrem Handeln Vernunft zu Grunde legt. Kunst ist ein Produkt des Handelns aus Freiheit.
(Kant)

Es muss doch irgendwo in dieser Welt voller Mörder, Drohungen, Krieg, Tod und Gewalt noch einen Hort geben, wo die verletzbaren Dinge, wo das Zarteste im Menschen, die feinen Verästelungen der Gefühle, wo all das eine Heimstatt hat … und das ist eben die Welt der Künste!
(Hans Werner Henze, Komponist)

Die Kunst ist halt doch eine eigene Sache, am Ende ist sie gar kein Prinzip, keine Theorie, sondern eine Lebensäußerung, die an Persönlichkeiten gebunden ist und nur durch Persönliches am Leben erhalten werden kann.
(Hans Thoma)

Wenn die Kultur sich immer am Machbaren, Bezahlbaren orientiert hätte, dann gebe es weder die Sixtinische Kapelle noch das Bochumer Schauspielhaus…
(Elmar Goerden, Intendant)

Es ist nicht schwer zu machen. Schwer ist nur, dass Du es machst und bis Du es machst.
(Karl Bohrmann)

Manche meinen das, aber Kunst ist nicht einfach ein großer Haufen, auf den man sich selbst oben drauf setzt.
(Holger Bunk)

Dichter: erhältst Du den Beifall des Volkes, so frage Dich: was habe ich schlecht gemacht?! (aus: Brand`s Haide, 1951)
(Arno Schmidt)

Kunst; das sind unwillkürliche Ausschwitzungen wie Bisam und Moschus.
(Wilhelm Busch)

Mit Worten, mit Begriffen, mit der sonst so hochweisen Vernunft kann man, und schwätzt man auch noch so viel Blech, keiner Kunst an die “Seele”.
(Wilhelm Busch)

Die Kunst ist eben ein Gewichteloslassen, das Sandabwerfen bei der Ballonfahrt. Es geht um das Ausklinken, um diesen Moment des Segelfluges. Um das Loslassen.
(Karl Bohrmann)

Ich habe Löcher im Dach…da lege ich Leinwände drunter.
(Carl Buchheister )

Kunst könnte sich nur verwirklichen, indem sie eine Illusion bleibt und Illusionen schafft?
Kunst, will mir scheinen, spricht im weitesten Sinne die Sprache der Entdeckung
(Marcuse)

Wenn Sie wüssten, wie roh selbst gebildete Menschen sich gegen die schätzbarsten Kunstwerke verhalten, Sie würden mir verzeihen, wenn ich die meinigen nicht unter die Menge bringen mag. Ohne daran zu denken, dass man ein Großes Blatt mit zwei Händen anfassen müsse, greifen sie mit einer Hand nach dem unschätzbaren Kupferstich, einer unersetzlichen Zeichnung, wie ein anmaßlicher Politiker eine Zeitung fasst und durch das Zerknittern des Papiers schon im voraus sein Urteil über die Weltbegebenheit zu erkennen gibt. Niemand denkt daran, dass, wenn zwanzig Menschen mit einem Kunstwerk hintereinander ebenso verführen, der Einundzwanzigste nicht mehr viel davon zu sehen hätte.
(Goethe)

Oft trifft man wen, der Bilder malt. Viel seltener wen, der sie bezahlt.
(Wilhelm Busch)

All Art is useless.
(Oscar Wilde)

Auch das ist ganz große Kunst: wenn ein guter Spieler wie Klinsmann zwei Meter vor dem Fußballtor steht und dann danebendonnert.
(Schüler, 13 Jahre)

Kunst macht das Leben wertvoller: Ohne Kochkunst würden wir nur Eintopf essen.
(Schüler, 13 Jahre)

Etwas Selbstvertrauen haben und arbeiten! Vergessen Sie niemals Ihre Kunst, sic itur ad astra – so erreicht man die Sterne.
(Paul Cézanne)

Die Aufgabe des Künstlers besteht darin, das darzustellen, was zwischen dem Objekt und dem Künstler steht, nämlich die Schönheit der Atmosphäre, das Unmögliche.
(Claude Monet)

Zu empfinden, was er sieht, zu geben, was er empfindet, macht das Leben des Künstlers aus.
(Max Klinger)

Enthält der Traum weniger Gesetzeskraft als das übrige Leben?
(André Breton)

Ein guter Künstler klug und fleißig, hat stets `n spitzen Bleistift bei sich.
(Wilhelm Busch)

Ich habe niemals Träume gemalt. Was ich dargestellt habe, war meine Wirklichkeit.
(Frida Kahlo)

Behutsam schließt man die Augen der Toten, ebenso behutsam muss man den Lebenden die Augen öffnen.
(Jean Cocteau)

Man muss systematisch Verwirrung stiften, das setzt Kreativität frei.
(Salvador Dalí)

Aber das muss der Künstler: sich in Gefahr begeben.
(Neo Rauch)

Malen, um zu erkennen, und erkennen, um zu malen.
(Anselm Kiefer)

Die Provokation meiner Kunst besteht darin, dass sie ungewöhnlich viele Menschen aller Schichten anzieht.
(Christo)

Im Leben zählt immer nur der Augenblick.
(Jeanne-Claude)

Wie machen wir klar, dass Kunst nicht nur ein Nebenprodukt in der Gesellschaft ist? Denn meiner Auffassung nach gehört Kunst, also das Kultivieren aller, ganz nach oben.
(Jörg Immendorf)

Ich habe für mich die Malerei als Sprache gewählt. Die Bilder müssen das Wichtigste sagen. Alles andere sind ja nur Worte.
(Oda Jaune)

Die Kunst ist gleich einer Blüte, die sich, außerhalb aller Regeln, frei entfaltet.
(Odilon Redon)

Ich versuche nur, die Zeichen der Zeit zu verstehen und sie zu visualisieren. Das ist ein Gespräch mit mir selbst. Es geht um den heutigen Menschen, der ich auch bin. Es geht um seine Einsamkeit, seine Ambivalenz, seine Angst und seine Entfremdung, seine Suche nach dem Weg und Ausweg.
(Era Freidzon)

Die Welt der Kunst ist der Spielraum, in dem Zukunft sich abzeichnet. Die Anordnung der Fragmente, deren Rhythmen, Brechungen und Dichten bewegen sich in und auf Wellen durch die Zeit und sind unser Symptom, das wir leider erst zu begreifen beginnen, dankenswert aber schon lange bespielen.
(Andrés Ginestet)

Ich habe keine Visionen, ich lese Zeitung.
(Alfred Hrdlicka)

Ich habe immer auf eigene Ideen gesetzt.
(René Burri)

Mein Geheimnis ist, das ich keins habe.
(Hanne Darboven)

Gegen Farbe – für Form
Gegen Stimmung – für Gestalt
Gegen Gefühl – für System
Gegen Fantasie – für Realität
Gegen Lösung – für Spannung
(A. R. Penck)

Ästhetik zieht sich durch alle Bereiche – wie ich mich einrichte, was ich trage, womit ich mich umgebe, wenn ich esse oder lese.
(Glenn D. Lowry)

Was Kunst braucht und ihre Notwendigkeit unterstreicht, ist einfach: Sie muss interessant sein, mit Vorliebe im ästhetschen Feld und auch sozialen Raum, die feinen Unterschiede eben.
(Gregor Jansen)

Das Museum muss Kunst in ihrer Entschiedenheit ernstnehmen, als eine besondere Verdichtung von Erfahrung, die alles Überflüssige ausschließt. Wenn dies gelingt, so wird sie letztlich auch eine Basis bei einem breiteren Publikum finden.
(Heinz Liesbrock)

Trotz einer stetig ansteigenden Bilderflut im privaten und im öffentlichen Raum, herrscht ein visueller Analphabetismus – die Kunstmuseen halten das Instrumentarium für ein selbst bestimmtes Sehen bereit.
(Dr. Hans Günter Golinski)

… das Kunstwerk ist das allergrößte Rätsel, aber der Mensch ist die Lösung!
(Joseph Beuys)

Wer will in einer Gesellschaft ohne Kunst leben? Ich nicht.
(Vera Munro)

Die Aufgabe, der sich ein Kunstverein stellen muss, besteht nicht in erster Linie in der Bestätigung des künstlerisch bereits Gesicherten, sondern in der Auslotung des im Wortsinne Frag-Würdigen.
(Dr. Stephan Berg)

Gerade heute, da der Zugang zur zeitgenössischen Kunst durch die ungeheure Vielfalt an künstlerischen Handschriften nicht leicht zu finden ist, wird die Tätigkeit der Kunstvereine immer unentbehrlicher.
(Ulrike Scheffler)

Ein glaubwürdiger Künstler zu sein ist heute viel schwieriger als in den vorhergehenden dreitausend Jahren und notwendiger denn je.
(Dr. Alexander Tolnay)

Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen;//
Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt//
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst,//
dass dahinter kein Sommer kommen könnte.//
Er kommt doch.//
Aber er kommt nur zu den Geduldigen.
(Rainer Maria Rilke)

Vielleicht ist Kunst das Gespräch der Welt mit sich selbst –
durch das Medium Künstler?
(Norbert Kricke)

Außerdem glaube ich nicht, dass es das so genannte wirkliche Leben überhaupt gibt, sondern dass sich das selber in gewissem Sinne erfindet oder erfinden muss.
(Arnulf Rainer)

Nicht Geheimnisse lüften, sondern neue schaffen.
(Jürgen Kadow)

Die Kunst ist ja nur das, daß man immer besser auf dem Instrument, das man sich ausgesucht hat, spielt. (Thomas Bernhard)

Farben sind wie eine Sprache und so facettenreich wie Gefühle.
(Ursula Jüngst)

Es gibt zahllose Beschreibungsmöglichkeiten von Welt, die sich weder ineinander überführen noch sich in wahre und falsche Versionen klassifizieren lassen. Sie stehen nebeneinander als verschiedene Weise der Erzeugung von gleichermaßen wirklichen Welten.
(Jan Eeckhout)

Kunst ist ein Gebilde, das durch keinen möglichen Gedanken erfasst wird.
(Manfred Frank)

Die Wandelbarkeit der Farbe am Licht in ihrer erotischen Dimension wieder erleben.
(Olaf Auer)

Farbe ist mir Thema genug.
(Gotthard Graubner)

Die Künstler haben Gott geholfen, die Welt zu schaffen.
(Markus Lüpertz)

Kunst ist Leben und Leben ist Kunst.
(Timm Ulrichs)

Meiner Meinung nach ist aber Kunst grundsätzlich eine politische Äußerung, nur wird diese politische Dimension von der Gesellschaft immer niedergehalten.
(Harald Nägeli)

Einen eigenen Stil zu finden, daran hat es bei mir gehapert, bis mir auffiel, dass stillos zu sein auch ein Stil ist, und den habe ich dann verfolgt. Da war ich dann befreit.
(Martin Kippenberger)

Ein Bild kann nicht schrecklich oder heiter sein; es kann rot sein oder schwarz.
(Georg Baselitz)

Kunst braucht ein ganzes Leben.
(Rainer Fetting)

Aus Tiefsinn oberflächlich sein.
(Elvira Bach)

Die Freiheit der Kunst ist der einzige Garant der Freiheit des Menschen.
(Ernst Fuchs)

Phantasie ist Erfahrung.
(Martin Walser)

Kunst ist nichts anderes, als der Karawane des Lebens weiterzugeben, was wir während unseres Lebens erfahren haben.
(Paulo Coelho)

La pengtür zäh moa.
(Werner Hilsing)

Da muß doch etwas zu finden sein.
(Benedikt Volk-Orlowski)





Katalog-Vorwort:
Die Ausstellung “Mammon” (Sept. 2009)

Verstehen Sie die Krise? Ich verstehe sie nicht und mein Glaube, daß die Menschen, die sich an der Lösung der Krise beteiligen auch nicht wirklich klare Vorstellungen haben, ist nicht durch Politiker oder Parteien erschüttert oder beruhigt worden.
30 Künstler sind angeschrieben worden, ob sie zum Thema “Geld & Krise” für eine Ausstellung eine künstlerische Arbeit beisteuern könnten. Die Rückmeldungen per Postkarte waren schon eine kleine Ausstellung wert und es meldeten sich 20 Künstler an.
“Mammon” ist ein aus dem Arabischen entlehntes Wort, welches ursprünglich “Besitz” heißt. Die Bedeutung wandelte sich vom eigentlich irdischen Besitz hin zum Gesichtspunkt des verführerischen und ungerechten Gewinns und zum Reichtum.
Das Thema Geld, Krise, Gier oder bad bank ist bei jedem Menschen angekommen. Es beschäftigt alle gesellschaftlichen Kreise. Der Milliardär verliert Millionen. Der Kleinstverdiener kommt vor die Entscheidung, ob er heizt oder ißt.
Ein Künstler ist ein Kleinunternehmer, der seine Haut und seine Produkte “auf dem Markt” verkauft. Anders als das Handwerk und die Industrie und auch anders als der Lohnempfänger hat ein Künstler keine Lobby, die seine Interessen an der richtigen Stelle oder beim Gesetzgeber vertreten könnte.
Im Angesicht sich verändernder Lebensbedingungen, der Juridisierung und Ökonomisierung der Gesellschaft ist der einzelne künstlerische Unternehmer für eine Gegenwehr oft genug ohnmächtig und ohne passende Werkzeuge. Neben der Pflege von Intuition und Idee, ist der Künstler auch harter Realist.
Um die Beobachtungen der Realwelt mit sich in Einklang zu bringen, wird er die kreativen Kräfte mobilisieren und in eine ihm passende Form gießen.
Das Werkzeug des Künstlers ist dann die spitze Feder, Pinsel und Hammer.
In der Ausstellung “Mammon” sind die Techniken und Herangehensweisen an das Thema breit angelegt. Die Facetten der Ausstellung sind vielfältig. Einige Arbeiten sind sehr direkt ablesbar und wütend, einige symbolisch aufgeladen und verschlüsselt. Das Thema wird eingekreist. Die Auswirkungen der Krise, die wirtschaftliche Not, wird visualisiert.
Es ist eine politische Ausstellung über den Irrtum, daß der von regulativen Fesseln befreite Markt eine Zeitlang einigen Wohlstand, jedoch nicht auch gleich die Gerechtigkeit mit produziert.
Der entscheidende Schritt ist noch nicht getan: solange die Global Player wissen, daß sie systemrelevant sind und gerettet werden müssen, wird das Vertrauen in Politik und Wirtschaft nicht wachsen.
Die Idee der moralischen Versicherungsgemeinschaft ist abhanden gekommen.
Unruhe wird zur Bürgerpflicht.
In dieser Ausstellung zeigt die Kunst mit ihren Werkzeugen auf die Verwerfungen der Moral und des Vertrauens in der Hoffnung, daß ein Betrachter seine Perspektiven und sein Handeln befragt.
Auch sind die Künstlerarbeiten ein Quentchen Trost, weil bei einem solch ernsten Thema der Humor auch nicht zu kurz gekommen ist.

Klaus Jüdes

Der Katalog begleitet die Ausstellung “Mammon” des KunstHauses Möhnesee
Eine freundliche finanzielle Unterstützung erhielt die Ausstellungsdokumentation von der Sparkasse Soest und vom Kreis-Kunstverein Soest
Der Veranstalter dankt für Anregungen, Korrekturen und Hilfe
besonders Anton Quiring, Klaus Rogge, Inga Schubert-Hartmann, Frank Schindler
Die Dokumentation gestaltete Thomas Drebusch
September 2009
Der Katalog kostet 9.- € zzgl.Versand